Fakten zu Aserbaidschan
Wirtschaftsstandort Aserbaidschan im Überblick
Aserbaidschan liegt im südöstlichen Kaukasus zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer und fungiert als strategische Schnittstelle zwischen Europa und Asien. Dank seiner geografischen Lage verfügt das Land über ein hohes Transit- und Logistikpotenzial. Der kontinuierliche Ausbau von Verkehrswegen, Häfen und Schienenverbindungen stärkt die Rolle Aserbaidschans als regionales logistisches Drehkreuz entlang des sogenannten „Middle Corridor“.
Wirtschaftslage und aktuelle Wirtschaftsentwicklung
Aserbaidschans Wirtschaft bleibt weiterhin stark vom Öl- und Gassektor geprägt, während gleichzeitig die Diversifizierungsstrategie konsequent vorangetrieben wird. Obwohl die Bruttowertschöpfung im Öl- und Gassektor um 1,6 % zurückging, verzeichnete der Nicht-Öl-Sektor ein solides Wachstum von 2,7 %, was den fortschreitenden strukturellen Wandel der Wirtschaft widerspiegelt.
Im Jahr 2025 erreichte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Aserbaidschans 75,9 Mrd. USD, was einem realen Wachstum von 1,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das BIP pro Kopf lag bei 7.413 USD.
Aserbaidschan befindet sich derzeit in einem dynamischen Modernisierungsprozess. Zu den strategischen Prioritäten zählen:
- Ausbau der Kapazitäten im Bereich erneuerbare Energien
- Stärkung der Transport- und Logistikinfrastruktur
- Modernisierung der Landwirtschaft und des Wassermanagements
- Vorantreiben der digitalen Transformation
- Förderung der industriellen Entwicklung
Bis 2030 sollen 30 % des nationalen Energiemixes aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Damit unterstreicht das Land sein Engagement für nachhaltige Entwicklung und eine weitere Diversifizierung seiner Energieversorgung.
BIP und Wirtschaftsstruktur
- Bruttoinlandsprodukt (2025): 75,9 billion USD
- BIP pro Kopf (2025): 7413 USD
- Wirtschaftswachstum (2025): 1,4 % (reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr)
- Sektorale Entwicklung (2025)
- Öl- und Gassektor: –1,6 %
- Nicht-Öl- und Gassektor: +2,7 %
BIP nach Wirtschaftssektoren
Außenhandelsbeziehungen
Im Zeitraum Januar–November 2025 führten juristische und natürliche Personen der Republik Aserbaidschan Handelsgeschäfte mit Partnern aus 177 Ländern der Welt durch. Waren wurden in 126 Länder exportiert und aus 170 Ländern importiert.
Unter Berücksichtigung des Wertes statistisch geschätzter Exporte von Rohöl und Erdgas, die bei den Zollbehörden registriert wurden, deren Zollabfertigung jedoch noch nicht abgeschlossen war, belief sich der Außenhandelsumsatz des Landes im Zeitraum Januar–November 2025 auf 43.830,5 Mio. USD. Davon entfielen 22.642,2 Mio. USD bzw. 51,7 % auf den Export und 21.188,3 Mio. USD bzw. 48,3 % auf den Import. Der positive Handelsbilanzsaldo betrug somit 1.453,9 Mio. USD. Im Vergleich zu Januar–November 2024 stieg der Außenhandelsumsatz zu laufenden Preisen um 2,4 %, sank jedoch real um 9,2 %. Die Importe gingen real um 10,4 %, die Exporte um 8,3 % zurück.
Im Zeitraum Januar–November 2025 belief sich der Export von Nicht-Öl- und Nicht-Gas-Produkten auf 3.317,0 Mio. USD. Gegenüber Januar–November 2024 stieg er zu laufenden Preisen um 7,3 %, ging jedoch real um 17,9 % zurück.
Nach Angaben des Staatlichen Zollkomitees entfielen 25,2 % des gesamten Außenhandelsumsatzes des Landes auf Italien, 11,7 % auf die Türkei, 10,1 % auf Russland, 9,5 % auf China, 3,1 % auf die USA, 2,9 % auf Deutschland, 2,3 % auf das Vereinigte Königreich, jeweils 2,2 % auf Australien und die Schweiz, 1,8 % auf die Tschechische Republik, jeweils 1,7 % auf Bulgarien, Griechenland und Georgien, jeweils 1,5 % auf Kroatien und Rumänien, 1,4 % auf Kasachstan, 1,3 % auf Iran, jeweils 1,1 % auf Usbekistan und die Ukraine, 1,0 % auf Portugal, 0,9 % auf Frankreich, jeweils 0,8 % auf Belarus und Indien. 12,9 % der Handelsgeschäfte entfielen auf andere Länder.
Wichtigste Außenhandelspartner
Die Europäische Union bleibt Aserbaidschans wichtigster Handelspartner, wobei Italien weiterhin das führende Zielland ist.
Wichtigste Handelspartner (Januar–November 2025):
- Italien: 25,2 %
- Türkiye: 11,7 %
- Russland: 10,1 %
- China: 9,5 %
- Deutschland: 2,9 %
Italien bleibt damit Aserbaidschans größter Handelspartner, während Türkiye und Russland weiterhin eine bedeutende Rolle spielen. Deutschland behauptet seine Position unter den wichtigen europäischen Handelspartnern.
Deutsch-aserbaidschanischer Handel
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Aserbaidschan sind stabil und bieten weiteres Entwicklungspotenzial.
Handelsübersicht (Januar – November 2025)
- Gesamtausfuhren Deutschlands nach Aserbaidschan: 636,28 Mio. USD
- Gesamteinfuhren Deutschlands aus Aserbaidschan: 921,79 Mio. USD
- Gesamthandelsumsatz: 1,56 Mrd. USD
Die deutschen Exporte nach Aserbaidschan bestehen weiterhin überwiegend aus Maschinen, Kraftfahrzeugen und Kfz-Teilen sowie industrieller Ausrüstung.
Die deutschen Importe aus Aserbaidschan werden weiterhin deutlich von Rohöl und Erdölprodukten dominiert.
Deutschland bleibt damit ein bedeutender europäischer Wirtschaftspartner Aserbaidschans, insbesondere im Bereich Industrieausrüstung, Technologie und Energiehandel.
Energiekooperation
Im Jahr 2025 festigte Aserbaidschan seine Rolle als wichtiger Energielieferant für Europa weiter. Das Land exportierte rund 25,2 Milliarden Kubikmeter (Mrd. m³) Erdgas, davon gingen etwa 12,8 Mrd. m³ an europäische Abnehmer.
Aserbaidschan beliefert weiterhin eine Vielzahl europäischer Länder mit Erdgas, darunter Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Ungarn, Italien, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien, die Slowakei und Slowenien sowie seit 2026 auch Deutschland und Österreich. Damit ist die Zahl der europäischen Abnehmerländer auf 16 Staaten gestiegen.
Italien bleibt einer der wichtigsten Absatzmärkte für aserbaidschanisches Gas. Ein erheblicher Teil der Lieferungen nach Europa wird über die Transadriatische Pipeline (TAP) nach Italien transportiert.
Seit Januar 2026 liefert die staatliche Öl- und Gasgesellschaft SOCAR (State Oil Company of the Azerbaijan Republic) erstmals Erdgas nach Deutschland und Österreich. Die Lieferungen erfolgen über die TAP, wobei das Gas zunächst in Italien ankommt und von dort über das bestehende europäische Gasnetz weitertransportiert wird. Diese Entwicklung erweitert die geografische Reichweite Aserbaidschans in Europa und stärkt seine Rolle bei der Sicherung der europäischen Energieversorgung.
Geschäftsumfeld
Aserbaidschan bietet attraktive Marktchancen insbesondere in den Bereichen Energie und Energieinfrastruktur, Logistik und Transit, Bauwirtschaft und Infrastruktur, Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung sowie erneuerbare Energien. Der Staat unterstützt Investitionen durch gezielte Förderprogramme und klar formulierte Entwicklungsprogramme für strategische Sektoren.
Herausforderungen bestehen weiterhin in administrativen Prozessen, Transparenz und regulatorischer Stabilität. Die Zuordnung zur OECD-Risikokategorie 4 von 7 weist auf ein mittleres Länderrisiko hin und ist typisch für wachstumsstarke Transformationsmärkte. Gleichzeitig ist Aserbaidschan ein rohstoffreiches Land mit strategischer Lage, wachsender logistischer Bedeutung und sichtbaren Reformfortschritten. Für deutsche Unternehmen ergeben sich insbesondere Chancen in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Logistik, Maschinenbau, Industrie und erneuerbare Energien.
Nachhaltigkeit und Klimaschutz
Aserbaidschan baut den Bereich der erneuerbaren Energien derzeit gezielt aus. Gleichzeitig verfolgt das Land im Rahmen seiner wirtschaftlichen Transformation eine ambitionierte Agenda zur Diversifizierung und Dekarbonisierung. Die Regierung fördert gezielt Solar- und Windenergieprojekte sowie Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz.
Bis 2030 sollen rund 30 Prozent des nationalen Energiemixes aus erneuerbaren Quellen stammen. Parallel dazu investiert Aserbaidschan in die Modernisierung von Infrastruktur, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Digitalisierung und Industrie, um wirtschaftliches Wachstum und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden.
Für deutsche Unternehmen ergeben sich daraus attraktive Marktchancen, insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieinfrastruktur, Umwelttechnik und industrielle Effizienzlösungen.
Bevölkerung, Ressourcen und Landschaft
Aserbaidschan verfügt neben bedeutenden Erdöl- und Erdgasreserven im Kaspischen Becken auch über weitere mineralische und natürliche Ressourcen, darunter Eisenerz, Kupfer, Gold, Bauxit sowie zahlreiche Baustoffe. Diese Rohstoffbasis unterstützt die Entwicklung von Industrie, Bauwirtschaft und Grundstoffverarbeitung.
Darüber hinaus bieten fruchtbare Agrarregionen und unterschiedliche Klimazonen gute Voraussetzungen für die landwirtschaftliche Produktion und Lebensmittelverarbeitung. Gleichzeitig verfügt das Land über erhebliches Potenzial für erneuerbare Energien, insbesondere im Bereich Wind- und Solarenergie.
Die Bevölkerung ist vergleichsweise jung und zunehmend urbanisiert, mit wirtschaftlichem Schwerpunkt im Großraum Baku. Die geografische Vielfalt – vom Kaspischen Meer bis zum Kaukasus – schafft vielfältige Anknüpfungspunkte für Energie-, Infrastruktur-, Industrie- und Agrarprojekte im Zuge der wirtschaftlichen Diversifizierung.
Industrieproduktion
Im Jahr 2025 produzierten Industrieunternehmen und Einzelunternehmer Industrieerzeugnisse im Wert von 37,1 Milliarden USD, was einem Rückgang von 1,0 % gegenüber 2024 entspricht.
Der Bereich Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden machte 59,6 % der gesamten Industrieproduktion aus, während auf das Verarbeitende Gewerbe 33,9 % entfielen.
Die Produktion im Öl- und Gassektor ging um 2,0 % zurück, während der Nicht-Öl-Sektor um 5,5 % zulegte und damit das anhaltende Wachstum in diversifizierten Industriebereichen unterstreicht.
Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes wurden besonders starke Zuwächse verzeichnet in den Bereichen:
- Pharmazeutische Erzeugnisse (+86,3 %)
- Holzprodukte (+57,0 %)
- Textilien (+24,5 %)
- Mineralölprodukte (+13,7 %)
- Nahrungsmittel (+9,1 %)
Rückgänge wurden hingegen unter anderem in den Bereichen Kraftfahrzeuge, elektrische Ausrüstungen und Möbelproduktion verzeichnet.
Die Produktion im Bereich Elektrizität, Gas und Dampfversorgung stieg leicht um 0,3 %, während der Bereich Wasserversorgung und Abfallwirtschaft ein Wachstum von 2,5 % verzeichnete.
Veränderungen auf dem Verbrauchermarkt
- Verbraucherpreisindex (CPI): +5,2 % gegenüber 2024
- Nahrungsmittel: +6,4 %
- Nicht-Nahrungsmittel: +2,5 %
- Dienstleistungen: +5,7 % - Einzelhandelsumsatz: +3,8 % im Jahresvergleich
- Außenhandelsumsatz (Jan–Nov 2025): 43,83 Mrd. USD
- Durchschnittlicher Monatslohn: 640,7 USD
- Industrieproduktion: 37,1 Mrd. USD
- Investitionen in Sachanlagen: 12,4 Mrd. USD
Trotz steigender Verbraucherpreise verzeichnete die aserbaidschanische Wirtschaft im Jahr 2025 ein moderates Wachstum, zunehmende Handelsaktivitäten sowie anhaltende Investitionen.
Steckbrief Aserbaidschan
-
86.600 km² Fläche
2025
-
10,4 Mio Einwohnerzahl
2025
-
75,9 Mrd BIP, Nominal
US$, 2025
-
5,7 % Inflationsrate
2025
-
5,3 % Arbeitslosenquote
2025
-
16,2 % Investitionsquote
% des BIP, 2025
-
-1,9 % Haushaltssaldo
% des BIP, 2025
-
22,4 % Staatsverschuldungsquote
% des BIP, 2025
-
1 US$ = 1,70 AZN Währung - Kurs
01/2026
Quellenhinweis:
- Germany Trade & Invest (GTAI), Dezember 2025 (Wirtschaftsdaten kompakt)
- Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan (Azərbaycan Respublikasının Dövlət Statistika Komitəsi)